Pfarrblatt

Auszüge aus der BRÜCKE 1/2007   MÄRZ - JUNI 2007

Liebe Pfarrgemeinde!
Schöppinger Altar (1455)

Verehrte Leserinnen und Leser unseres Pfarrblattes!
Das Titelblatt zeigt einen Ausschnitt des Schöppinger Altares (um 1455).
Mit festem Schritt steigt Jesus aus dem Grab. Seine Hände, die Füße und die Brust zeigen die Wundmale, doch sein Leib wirkt nicht mehr geschunden, sein Gesichtsausdruck ist freundlich, sein Blick geht nach links.
Das Bild erzählt gleich mehrere Geschichten: Die Grabwächter verschlafen die Situation, der Engel schwenkt den schweren Grabstein wie ein Stück Pappe.
Rechts eilen drei Frauen herbei, sie besprechen sich und tragen Salbgefäße in den Händen. „Wer wird uns den Stein wegwälzen?" lässt der Evangelist sie fragen. Sie können noch nicht ahnen, dass ihr vermeintlich letzter Weg zu Jesus sie auf eine gänzlich neue Straße stellt. Nicht bei einem Toten sollen ihre Schritte enden; die Nachricht, dass er lebt, werden sie in alle Welt tragen.
Oberhalb ereignet sich noch einmal Ostern: Maria Magdalena begegnet dem Auferstandenen, in der Meinung, er sei der Gärtner.
Die Himmelfahrt und die Geistsendung als „Frucht" von Ostern zeigen uns die großen Zusammenhänge der österlichen Zeit.
Aber wie wir auf Jesu Tod und Ostern reagieren, das hat der Meister des Schöppinger Altares nicht gemalt, das ist uns aufgetragen. Möge uns die Feier der heiligen „Vierzig Tage" und die fünfzigtägige Osterzeit dabei helfen.
Beachten Sie, bitte, dazu die Gottesdienstordnung im „Pfarrkalender".
Anschließend finden Sie einen Nachtrag zur Ökumene und den Monatsheiligen Markus vorgestellt.
Die Fortsetzung der Papst-Enzyklika ist im nächsten Pfarrblatt abgedruckt, dafür umfangreicher.
Wie immer bilden die Informationen „Wir sind Gemeinde" den Abschluss des Pfarrblattes.
Genauso unerwartet wie er gekommen ist, genauso unerwartet ist er auch gegangen. Die Rede ist von „unserem" Jugendleiter Johannes Stöger. Ich danke ihm - namens der Pfarrgemeinde - für seinen Einsatz in unserer Pfarre, aber auch persönlich - schließlich verdanke ich ihm einen Internet-Anschluss - und wünsche ihm Gottes Segen für seine Jugendarbeit im Dekanat Weitra und Heidenreichstein. Lesen Sie sein „Wort zum Abschied" auf Seite 11.
Mit den besten Wünschen für diese Gnadenzeit grüßt euch herzlich euer Pfarrer
-2- 1/07

Viele Steine, die wir uns in den Weg legen, sind kleine Kiesel, die sich nur in unserer Anschauung zu gewaltigen Felsbrocken auswachsen: die Sorge um unser Ansehen, was andere Menschen von uns denken könnten, um die Stellung im Betrieb, die Angst zu kurz zu kommen, sprich weniger zu sein oder zu haben als andere. Je wichtiger wir uns selbst nehmen, desto größer werden die Steine, die uns den Weg zur Auferstehung versperren. Diese Steinchen kann man relativ einfach aus dem Weg räumen: Wenn ich mich selbst nicht mehr zum Maß aller Dinge mache, dann schrumpfen diese Steine auf ihr Normalmaß zurück, sodass ich mühelos über sie steigen kann. Und dann liegen auf dem Weg zur Auferstehung Steine, das sind gewaltige Brocken: eine Krankheit, die Sorge um den Arbeitsplatz, die Ehe, die droht auseinander zu brechen. Diese Steine kann ich nicht aus eigener Kraft aus dem Weg räumen, doch leider haben viele auch den vergessen, der uns die Steine aus dem Weg wälzen könnte. Wir haben Gott vergessen und deshalb müssen wir uns nun fürchten vor dem, was kommt und geschieht. Dabei lädt er uns ein, ein anderes Verhältnis zu den Dingen des Alltags zu finden. Denn der Alltag ist der Ort seiner Fürsorge, der Ort der Fürsorge Gottes. Und so geht es um die wahren Prioritäten in dem, was der Tag fordert. Fangen wir doch einmal an, dort wo wir uns ängstlich und krampfhaft sorgen, einfach zu bitten und dankbar zu empfangen. Was uns im Alltag so schrecklich wichtig geworden ist, darf ruhig in die zweite Reihe treten. Das Wichtigste, das Vertrauen auf Gott, rückt dann wie von selbst in die erste Reihe. Und - versuchen wir Gott nicht so klein zu denken. Machen wir ihn klein, wachsen uns die Steine auf dem Weg über den Kopf. Trauen wir ihm aber viel zu, dann werden wir auch die Kraft empfangen, die großen Felsbrocken zu überwinden.
Machen wir uns auf den Weg nach Ostern. Der Weg muss nicht schon frei geräumt sein, wir brauchen nicht einmal zu wissen, wie die Steine verschwinden werden, die uns auf dem Weg hindern, wir brauchen nur zu vertrauen, dass es jemanden geben wird, der die Steine wegwälzen wird.             Michael Tillmann
-5- 1/07


-6- 1/07

Hl. Evangelist Markus
Markus ist ein altrömischer Vorname, verkürzt aus Marticus: dem-(Kriegsgott) Mars geweiht.
Markus ist wahrscheinlich durch Petrus vom Judentum um Christentum bekehrt worden. Er begleitete Barnabas und Paulus auf der ersten Missionsreise, kehrte jedoch von Kleinasien nach Jerusalem zurück. Später reiste er mit Barnabas nach Zypern. Während der ersten Gefangenschaft des Paulus in Rom 61/63 weilte Markus auch dort. Später war er wieder in Ephesus. Mehr noch als an Paulus schloss sich Markus in Rom dem Petrus an. Auf Markus fühlt die altkirchliche Überlieferung einhellig das zweite Evangelium zurück. Als Dolmetscher des Petrus verarbeitete er dessen Predigt in seinem Evangelium wohl bald nach dessen Hinrichtung um 65. Er wollte die bedrängten Heidenchristen durch sein Evangelium in ihrem Glauben stärken. Über das spätere Leben sind wir nicht unterrichtet. Ob Markus die Kirche von Alexandrien gegründet und dort den Martertod gefunden hat, ist unsicher. Die späteren Legenden berichten von seinem Wirken in Aquileja und Lorch, sowie von der Übertragung seiner Reliquien von Alexandrien nach Venedig und der Reichenau.
Als Evangelisten-Symbol erhielt Markus den Löwen zugewiesen, wegen der "Stimme des Rufers in der Wüste" (= Johannes der Täufer), mit dem er sein Evangelium beginnt. Der Markus-Löwe ist auch im Wappen der Stadt Venedig zu sehen. In den Pranken hält er ein aufgeschlagenes Buch mit den Buchstaben P(ax) T(ibi) M(arce) E(vangelista) M(eus), = "der Friede sei mit dir, Markus, mein Evangelist"; mit diesen Worten soll ihn ein Engel in seinen Marterqualen gestärkt haben. Dargestellt wird er vor einem Buch sitzend, wie er mit der Feder schreibt, neben ihm liegt ein Löwe.
Sein Fest wird am 25. April gefeiert, früher mit einer Bittprozession, die auf ein heidnisch-römisches Fest mit Flurumgang am gleichen Tag, den so genannten Robigalia (Schutz gegen Robigo, dem Dämon des Getreiderostes) zurückgeht.
Er ist Patron der Bauarbeiter, Glaser, Glasmacher, Korbmacher, Maurer, Notare, Schreiber; gegen Ungewitter, Blitz, Hagel, Krätze, Qualen, unbuß-fertigen oder jähen Tod; für gutes Wetter und gute Ernte.
(Vgl. Jakob Torsy - Hans-Joachim Kracht, Der große Namenskalender, Herder 2002, 131; Otto Wimmer - Hartmann Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen, Tyrolia Vlg. Innsbruck 1982, 56 ff.)
Abbildungen: Kunstvoll gesticktes Bild des hl. Markus mit Löwen, Buchrolle und Schreibfeder auf dem neugotischen Herz-Jesu-Messkleid aus 1904. Markus-Löwe: Fresko aus dem Ende des 15. Jhts. im südlichen Zubau (Taufkapelle) der Pfarrkirche Gmünd-St.Stephan.

-7- 1/07

Ein Wort zum Abschied
Erst im September stellte ich mich als Pastoralassistent in der Pfarre Gmünd-St. Stephan vor und nun verabschiede ich mich schon wieder auf diesem Weg. Dabei hat doch alles so gut begonnen!
Aufgrund für mich persönlich sehr wichtiger Erfahrungen entschied ich mich zu gehen. Diese Entscheidung ist mir wirklich nicht leicht gefallen. Doch nach sehr reichlicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass es besser ist aus dem Dienst in der Pfarre auszuscheiden. Es ist nichts Seltenes, dass Menschen zu unterschiedlich sind um miteinander arbeiten zu können. Das hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Es tut mir Leid, wenn ich Menschen mit enttäuschten Hoffnungen und Erwartungen zurücklasse.
Es ist mir ein Anliegen, mich bei den MinistrantInnen für ihr Kommen und Dasein in den Ministrantenstunden und bei allen, die mich so freundlich aufgenommen haben, zu bedanken.
Zum Abschied möchte ich noch folgenden Text mit Ihnen teilen

Ich wünsche dir die Gelassenheit,
das hinzunehmen, was du nicht ändern kannst.
ich wünsche dir den Mut,
das zu ändern, was du ändern kannst.
Gott schenke dir die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.
                            (Verfasser unbekannt)

Johannes Stöger

Dr. Anton Leichtfried,
der neue Weihbischof unserer Diözese
Kurzer Lebenslauf:
1967 in Scheibbs geboren, Heimatpfarre Purgstall/Erlauf
1985 Matura am Stiftsgymnasium Seitenstetten
1985-1992 Priesterseminar u. Theologiestudium (St. Pölten, Rom)
1991 Priesterweihe
1992-1996 Kaplan in Oberwölbling und Waidhofen/Thaya
4.März 2005 Regens des Priesterseminars St. Pölten
25. Februar 2007 Bischofsweihe in St. Pölten
Weihbischof Leichtfried schildert ein bedeutsames Ereignis aus seinem Leben:
"Ich war in Tunesien, da ist mir ein Stück Rindfleisch in der Speiseröhre stecken geblieben. Das hat zu großen Komplikationen geführt. Zwei Krankenhausaufenthalte in Tunesien, dann noch in Wien und dann ein Riss der  Speiseröhre. Nach einer Notoperation lag ich im künstlichen Tiefschlaf. Die Ärzte hatten die Hoffnung aufgegeben, dass ich überleben kann. Ich war kurz vor dem multiplen Organversagen. Kurz gesagt, für mich ist  klar, dass mir Gott ein zweites Leben geschenkt hat."
-11- 1/07
 

Rechter Innenflügel des Schöppinger Altars, um 1455, Kath. Kirche St. Brictius in Schöppingen.
Der Meister von Schöppingen malte den auferstandenen Jesus, die Bewachung des Grabes (Mt 27,62-66), den Gang der Frauen zum Grab (Mk 16,1-8), die Botschaft des Engels (Mt 28,1-8), Maria Magdalena begegnet dem Auferstandenen (Joh 20,14-18), die Himmelfahrt des Herrn (Lk 24,50-53; Apg 1,9-11) und die Sendung des Heiligen Geistes (Apg 2,1-11). Foto: Studio Wiegel Münster

    Quelle: Brücke:    -12- 1/07

 

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update: 14.08.2007, @MB